|
Ideenmanagement als Dach von BVW und KVP
Ideenmanagement trägt zu einem kontinuierlichen Verbesserungsprozeß im weitesten Sinne bei: Mit jeder realisierten Idee wird ein Mißstand verringert, ein Potential besser genutzt, die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens insgesamt erhöht.
Die in der Praxis realisierten Modelle für das Management von Ideen umfassen ein großes Spektrum an Organisationsformen, das von geregelten und institutionalisierten Gruppenaktivitäten bis zu Systemen für die Erfassung spontaner Ideen einzelner Mitarbeiter reicht. Alle haben das gemeinsame Ziel, das im Unternehmen vorhandene implizite und intuitive Wissen zu explizieren, aber sie unterscheiden sich im methodischen Vorgehen.
Betriebliches Vorschlagswesen: Das Betriebliche Vorschlagswesen (BVW) versteht sich vor allem als "Auffangbecken" für Ideen, die einzelnen Mitarbeiter (oder informellen Gruppen von Mitarbeitern) mehr oder weniger spontan, mitunter auch nach Feierabend einfallen. Es regelt, wie diese Ideen als Vorschläge in das Unternehmen eingebracht und wie sie im Rahmen der betrieblichen Abläufe weiter behandelt werden sollen. Dahinter steht der Gedanke, daß viele solcher Ideen zwar auch ohne Systematik umgesetzt würden, aber die Wahrscheinlichkeit für eine möglichst umfassende Ausschöpfung dieses Kreativitätspotentials durch systematische Vorgehensweisen erheblich erhöht wird.
Kontinuierlicher Verbesserungsprozeß: Institutionalisierte Gruppenaktivitäten bestehen zumeist in moderierten Workshops, in denen Mitarbeiter Ideen zur Lösung vorgegebener oder selbst definierter Probleme erarbeiten und diese häufig auch sofort selbst umsetzen. Sie haben zwar in Qualitätszirkeln und ähnlichen Gruppenkonzepten auch in westlichen Unternehmen Vorläufer, aber als Methode zur systematischen Einbeziehung aller Mitarbeiter in einen kontinuierlichen Verbesserungsprozeß haben sie sich erst unter dem Einfluß des aus Japan stammenden
Kaizen-Gedankens entwickelt.
Damit hat der Begriff "Kontinuierlicher Verbesserungsprozeß" eine doppelte Bedeutung: Zum einen bezeichnet er die (übergeordnete) Managementaufgabe und "Philosophie", die großen (und selteneren) Innovationsschritte durch fortwährende Verbesserungen in kleinen Schritten zu ergänzen. Zum andern wird er als Bezeichnung für auf Gruppenaktivitäten ("KVP-Workshops") beruhenden Methoden verwendet, mit denen diese Managementaufgabe operativ erreicht werden soll.
Integration von BVW und KVP: Ideenmanagement kann man als gemeinsames Dach ansehen, unter dem die sich ergänzenden methodischen Ansätze von BVW und KVP, sowie weiterer Verbesserungsaktivitäten, integriert werden.
So kann man in Einzelvorschlägen aufgezeigte Probleme zum Gegenstand von KVP-Gruppen machen und den ursprünglich vorgeschlagenen Lösungsweg gemeinsam weiter ausarbeiten oder durch bessere Alternativen ersetzen. Umgekehrt können aus einem KVP-Workshop hervorgegangene Ideen ebenso wie Einzelvorschläge prämiert werden, wenn sie über den Aufgabenbereich der Teilnehmer hinausgehen.
Gleiche Abläufe und gleiche Prämierung von BVW und KVP sorgen dafür, daß kein "Systemwettbewerb" entsteht. Beide kann man zusammen in einer gemeinsamen Betriebsvereinbarung bzw. Richtlinie regeln. Abgrenzung und Anschlußfähigkeit von BVW und KVP werden in folgender Gegenüberstellung deutlich.
BVW |
KVP |
Ideen entstehen spontan durch Einzelpersonen oder informelle Gruppen |
Ideen entstehen systematisch durch institutionalisierte moderierte Gruppen |
Ideen können den eigenen Arbeitsbereich betreffen, sollen aber über die Arbeitsaufgabe hinausgehen |
Ideen betreffen im wesentlichen den eigenen Arbeitsbereich und liegen häufig im Bereich der eigenen Arbeitsaufgabe |
Der Vorschlag wird vom Vorgesetzten (oder Gutachtern) bearbeitet |
Der Vorschlag wird möglichst von der Gruppe bearbeitet |
Die Umsetzung erfolgt durch andere, wobei der Einreicher möglichst einbezogen wird |
Die Umsetzung erfolgt überwiegend durch die Gruppe bzw. durch den Bereich |
Der Einreicher erhält die Prämie |
Die Gruppe (oder der Bereich) erhält die Prämie |
Keine konkrete Zielvorgabe im einzelnen |
Die Gruppe setzt sich jeweils konkrete Ziele |
|