Ideen sind die
Grundlage jeglichen Fortschritts. Große Ideen ergeben häufig
Innovationen, während unzählige kleine Ideen zu Verbesserungen im
täglichen Leben führen können. Für Unternehmen sind eine ständige
Weiterentwicklung und eine schnelle Anpassungsfähigkeit
überlebenswichtig. Ihnen bleiben nur zwei Hebel, um dem
Wettbewerbsdruck zu widerstehen: billiger oder besser sein als die
Konkurrenz.
Bei beidem können die Mitarbeiter helfen. "Der Unternehmenschef,
der keinen Gebrauch von den vorhandenen Ideen macht, vergeudet
Intelligenz. Wenn er die Ideen seiner Mitarbeiter nicht schätzt,
wenn er nicht dafür sorgt, dass sie wirklich umgesetzt werden, dann
vergeudet er ganz einfach auch einen Haufen Geld", sagt Arno
Wiedenroth, Direktor des Rüsselsheimer Opel-Werks, im Buch
"Innovations-Power" von Isaac Getz und Alan G. Robinson.
Noch zählt Wiedenroth zu einer Minderheit: Die meisten
Führungskräfte interessieren sich nicht für die Kreativität und den
Einfallsreichtum ihrer Mitarbeiter. Dabei haben Getz und Robinson,
Management-Professoren in Paris beziehungsweise in Massachusetts, in
einer Studie bei 50 europäischen Top-Unternehmen belegt, dass sich
80 Prozent der Verbesserungs-Ideen spontan ergeben. Lediglich 20
Prozent entstehen durch von oben aufgepfropftes, geplantes Vorgehen,
wie Business Process Reengineering oder Six Sigma.
Früher hieß diese Suche nach Ideen "Betriebliches
Vorschlagswesen", oder "Kontinuierlicher Verbesserungsprozess".
Heute nennen es Getz und Robinson griffig "Innovations-Power". Nicht
nur die Begriffe haben sich geändert, sondern auch die Inhalte. Um
Erfolg zu haben, reicht es nicht, hehre Ziele zu verkünden und in
umständlich formulierte Vereinbarungen zu verpacken. Ideen werden
nur dort publik, wo sie auch gewollt sind: In Unternehmen, die offen
sind für Anregungen - egal, von wem sie kommen. Besonders die
Führungskräfte müssen deshalb ihren Mitarbeitern klar machen, dass
es bei Geistesblitzen nicht auf die internen Hierarchien ankommt.In
einem idealen System von Ideenmanagement werden vier von fünf
sinnvollen Vorschlägen innerhalb weniger Tage unbürokratisch und
möglichst durch die Ideengeber selbst umgesetzt, schreiben Getz und
Robinson. Entscheidend dabei ist, dass die Ideengeber auch den Ruhm
bekommen, der ihnen zusteht.
Schließlich profitiert auch das Management von den kreativen
Köpfen im Unternehmen: Einsparungen durch Verbesserungen von über
4000 Euro pro Mitarbeiter und Jahr sind möglich. Die Deutsche Post
World Net konnte 2003 Einsparungen von fast 26.000 Euro pro
Mitarbeiter realisieren. Nebenbei werden auch die Mitarbeiter
zufriedener. Und das beeinflusst zwangsläufig auch die Kundenbindung
positiv.
Aufgeschlossene Führungskräfte haben begriffen, dass niemand so
viel sieht, hört, weiß, kann und niemand so klug ist wie alle
zusammen. Ihre Managementaufgabe besteht darin, an diese Ideen
heranzukommen und sie gezielt zu nutzen. Ebenso wie Arbeitsabläufe
möglichst gut geplant und kontrolliert werden müssen, ist es auch
wichtig, Verbesserungen systematisch zu managen. Hartmut Neckel
stellt daher "Modelle des Ideenmanagements" vor.
Der Unternehmensberater greift auf seine Praxis-Erfahrungen aus
Kooperationen von mittelständischen Unternehmen bei der Einführung
eines Ideenmanagements zurück.
Neckel ist sich mit Getz und Robinson einig, dass Management und
Erfolgskontrolle messbare Kennzahlen erfordern. Wichtige Daten sind
zum Beispiel die Anzahl der Vorschläge pro Mitarbeiter, die
Beteiligungsquote, der Realisierungsgrad und die Einsparung pro
Mitarbeiter. Dadurch lässt sich zum einen die
Mitarbeiter-Kreativität nachweisen, zum anderen lässt sich die
Leistung der Führungskräfte einordnen. Es zeigt sich, in welchem
Umfang sie mit ihrem Engagement Ideen stimulieren und deren
Umsetzung erleichtern. Darüber hinaus können Abteilungen und andere
Unternehmen miteinander verglichen werden.
Auch "Innovations-Power" von Getz/Robinson enthält Anleitungen
und Checklisten, die es dem Praktiker erlauben, selbst
einzuschätzen, wo seine Organisation oder sein Unternehmen in Sachen
Ideenmanagement steht. Diese strukturierte Art des Ideenmanagements
hilft nicht nur, neue Modelle einzuführen, sondern auch, vorhandene
Systeme zu verbessern. Wem das jedoch noch nicht reicht und wer auch
die Balanced Scorecard benutzen möchte: Karola Läge hat zum Thema
Ideen-Conrolling unter dem Titel "Ideenmanagement" eine hochgradig
nutzwertige Dissertation verfasst.
Suchhilfen
Innovations-Power Isaac Getz, Alan G.
Robinson, Hanser 2003, 219 S., 24,90 Euro
Modelle
des Ideenmanagements , Hartmut Neckel, Klett-Cotta
2004, 387 S., 32 Euro
Ideenmanagement , Karola Läge, Deutscher
Universitätsverlag 2003, 232 S., 49,90
Euro