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Friedr. Lohmann GmbH: Herstellung
von Guss-Stahl |
Das Leitbild der Friedr. Lohmann GmbH,
eines sehr alt eingesessenen Produzenten von Spezial- und Edelstahl
in Witten, lautet: Bewährtes ständig verbessern! Die
konsequente Umsetzung der Maxime im Betriebsalltag half und hilft
dem 1790 gegründeten Unternehmen dabei, Krisen zu meistern.
Tradition und Innovation werden oft als Gegensätze
aufgefaßt. Dabei wird übersehen, dass der Mensch ein
„Gewohnheitstier“ ist. Das gilt auch, wenn es darum
geht, kreative Ideen und innovative Problemlösungen in die
Arbeit einzubringen. Der gängige Begriff des „kontinuierlichen
Verbesserungsprozesses“ drückt das Paradoxon unmittelbar
aus: Einerseits geht es um Verbesserungen, um Neuerungen und Veränderungen,
wobei auch das Verbesserungswesen selbst immer wieder zum Gegenstand
der Überprüfung und Weiterentwicklung werden muss. Andererseits
geht es um Kontinuität, um eine gute Tradition des Verbesserns,
die ebenso wie starkes Kosten- und Qualitätsbewusstsein Teil
der Unternehmenskultur werden soll.
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Lohmann • Stahlbramme
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Bei dem in sechster und siebter Generation
geführten Familienunternehmen für Spezial- & Edelstähle
besteht die Herausforderung, auf Bewährtem und Bewahrenswertem
aufzubauen, in mehrerer Hinsicht:
Da ist zum Beispiel die lange Unternehmensgeschichte als eines
der ältesten deutschen Stahlunternehmen überhaupt. Dieses
Erbe erfährt eine besondere Wertschätzung im Rahmen
eines einzigartigen Firmenmuseums in historischen Gebäudetrakten,
während zugleich auf dem benachbarten Firmengelände
ein High-Tech-Maschinenpark für die moderne Fertigung mit
hohen Qualitätsanforderungen eingerichtet wurde.
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Dr. Hartmut Neckel
SCIENTIFIC CONSULTING Dr. Schulte-Hillen GmbH, Köln
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Ein anderes Beispiel betrifft die große
Bedeutung, die Umweltschutz für Lohmann hat. In der Nähe
eines Freizeitgebietes und direkt an der Ruhr gelegen, ist das
Bewahren einer intakten Umwelt nicht nur Teil des moralischen
Selbstverständnisses, sondern quasi existenzielle Notwendigkeit.
In diesem Zusammenhang wurde früh ein zertifiziertes Umweltmanagementsystem
eingeführt und ein betriebseigenes Wasserkraftwerk zur Stromerzeugung
aufgerüstet.
Nicht zuletzt ist das Unternehmen eng mit der Region und dem sozialen
Umfeld verbunden. Vielfach waren bereits Vorfahren heutiger Mitarbeiter
bei Lohmann tätig. Die Unternehmerfamilie hat die Wirtschaftsgeschichte
Wittens wesentlich mitgeprägt. Die soziale Vernetzung wird
durch Unterstützung kommunaler Vereine oder des PV-Triathlon
Witten gepflegt, aber ebenso durch betriebsübergreifende
Kooperationen mit anderen Betrieben.
Wie schafft man bei soviel Bewährtem
und Bewahrenswertem Raum für Neues? Wie verbindet man eine
traditionsreiche Firmenkultur mit einer innovativen Kultur des
ständigen Verbesserns und Veränderns?
Günter Lohmann-Hütte, der die Geschäfte
bei Lohmann gemeinsam mit Friedrich Lohmann-Voß leitet,
hält den intensiven Dialog mit den Kunden und mit den Mitarbeitern
für wesentliche Faktoren: „Wir sind es gewohnt, nach
sich schnell ändernden Spezifikationen und Vorgaben unserer
Kunden zu fertigen. Viele Investitionen wurden im Vorgriff oder
als Antwort auf geänderte Wünsche und Bedürfnisse
des Marktes angestoßen.“
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Oberlicht der Eingangstür
des Verwaltungsgebäudes
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Das Engagement der Mitarbeiter wird vor allem
genutzt, um das Unternehmen durch Verbesserungen in kleinen Schritten
voranzubringen. Dazu wurde bereits 1971 ein betriebliches Vorschlagswesen
eingeführt. Seit 1999 finden regelmäßig KVP-Workshops
statt, die von zu Moderatoren ausgebildeten Mitarbeitern geleitet
werden. 2001 und 2002 wurde das Ideenmanagement grundlegend reformiert.
Dazu schloss sich Lohmann einer Kooperation mit sieben anderen
Unternehmen an, die in einem regelmäßigen Erfahrungsaustausch
der Geschäftsführer und in betriebsübergreifenden
Führungskräftetrainings ein „mit- und voneinander
Lernen“ praktizierten. Diese Zusammenarbeit wird mit Unterstützung
des Kölner Beratungsunternehmen Scientific Consulting GmbH
auch künftig fortgesetzt.
Für Günther Lohmann-Hütte sind
diese „Lerneffekte“ besonders wichtig: „Es reicht
nicht, das Vorschlagswesen nur zu installieren und dann zu hoffen,
dass es von alleine läuft. Es muss im Rahmen des kontinuierlichen
Verbesserungsprozesses mit der Arbeitssicherheit und dem Umweltschutz
integriert werden. Von ebenso großer Bedeutung ist es, in
der Folge immer wieder Nachhaltigkeit zu erzeugen – durch
ein ständiges Controlling, Benchmarking und durch die Aufrechterhaltung
der Motivation der Mitarbeiter. Ohne externe Partner können
wir das eigentlich gar nicht gewährleisten.“
Ein zweiter Lerneffekt betrifft die Bedeutung
von Betriebsvereinbarungen oder Richtlinien zum Vorschlagswesen.
Viele Unternehmen halten die „richtige“ Gestaltung
der Betriebsvereinbarung für die Hauptsache bei der Einführung
oder Optimierung ihres Ideenmanagements. Die Regeln sollen möglichst
„wasserdicht“ sein, alle Sonderfälle berücksichtigen
und im Sinne deutscher Wertarbeit für die Ewigkeit gültig
sein können. „Hier konnten wir aus eigener Erfahrung
und im Austausch mit unseren Kooperationspartnern viel lernen“,
berichtet Friedrich Lohmann-Voß, der auch für das Ideenmanagement
verantwortlich ist. Er empfiehlt, lieber vorläufige Regelungen
zu vereinbaren und vor allem Wert darauf zu legen, das Verbesserungswesen
schnell mit Leben zu füllen. „Die Abläufe und
Strukturen müssen natürlich transparent und verbindlich
geregelt sein. Doch ohne Umsetzung im Betriebsalltag nützen
alle Regeln nichts.“
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Günter Lohmann-Hütte
• Friedr. Lohmann-Voß |
Auch im Ideenmanagement ist der Betriebsalltag
bei der Friedr. Lohmann GmbH durch moderne Technik gekennzeichnet.
Alle Mitarbeiter können ihre Vorschläge vor Ort per
Intranet in eine Ideen-Software einspeisen und sich dort über
den aktuellen Stand von Verbesserungsaktivitäten informieren.
Das Instrument findet bei der Belegschaft große Resonanz,
nur wenige Mitarbeiter nehmen bei der Eingabe lieber die Hilfe
ihrer Vorgesetzten in Anspruch. Dank der Software werden die Prozessverantwortlichen
für die Bewertung, Entscheidung und Umsetzung von Mitarbeiterideen
automatisch benachrichtigt, gegebenenfalls Stellungnahmen von
weiteren Stellen angefordert und regelmäßig Reports
zu wichtigen Kennzahlen erstellt. So ist man dem „papierlosen“
Ideenmanagement beträchtlich näher gekommen.
Während das Vorschlagswesen insbesondere
als „Auffangbecken“ für spontane Ideen einzelner
Mitarbeiter dient, die sonst in der Betriebshektik untergehen
würden, werden viele Verbesserungen auch in gezielten Gruppenaktivitäten
erarbeitet. So finden etwa alle sechs Wochen zweistündige
KVP-Workshops statt. Gehen die dort generierten Ideen über
die normale Arbeitsaufgabe der Teilnehmer hinaus, werden sie prämiert
wie andere Vorschläge auch.
| Friedr.
Lohmann GmbH, Witten
Werk für Spezial- und Edelstähle
Branche:
Metallerzeugung und -verarb.
Produkte:
Warmgewalzte und geschmiedete Schnellarbeits-, Werkzeug-
und Spezialstähle. Hochverschleißfeste- und hitzebeständige
Gußteile. Verbundkonstruktionen.
Mitarbeiter 2002:
300 (10 Azubis)
Jahresumsatz 2002:
44 Mio. EUR
Internet:
www.lohmann-stahl.de
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Aus Sicht der beiden Geschäftsführer
tragen diese Aktivitäten nachhaltig zum Geschäftsergebnis
bei, fördern die Mitarbeitermotivation und räumen den
Mitarbeitern Gestaltungsmöglichkeiten ein. Seit Beginn der
Kooperation im Ideenmanagement haben sich die eingereichten Vorschläge
mehr als verfünffacht.
Ein besonders guter Vorschlag betraf hydraulische
Stoßdämpfer, die durch aufschlagende Bleche ständig
kaputt gingen. Das verursachte nicht nur Kosten für die Reparatur,
sondern auch Ausfallzeiten an der Anlage – bis ein Mitarbeiter
die Idee hatte, die hydraulischen Stoßdämpfer durch
mechanische Stoßdämpfer mit Federn zu ersetzten. Die
kosten weniger und halten wesentlich länger. Der jährliche
Nutzen für das Unternehmen beträgt rund 6.700 Euro.
Insgesamt summierten sich die Einsparungen im Jahr 2002 auf knapp
90.000 Euro. Für das laufende Jahr wird die doppelte Summe
angestrebt. Die Zeichen stehen gut, dass dieses Ziel auch erreicht
wird.
Web-Adressen von Anbietern von Ideen-Software
www.aagen.de
www.egip.com
www.hlp.de
www.ibykus.com
www.ideavalue.com
www.imconet.de
www.koblank.de
www.p-manent.de
www.scsforum.de
www.smartidee.de
www.target-soft.com |