Südwestfälische Wirtschaft im August 2000

Wettbewerbsvorteile duch Ideenmanagement

Mittelstand hat Nachholbedarf - Verbundmodell vorgestellt

   Wie auch kleine und mittelständische Unternehmen ein modernes Ideen- und Innovationsmanagement nutzen können, um Wettbewerbsvorteile zu erzielen, war Thema einer außerordentlich gut besuchten Informations- veranstaltung der SIHK in Lüdenscheid. Der vielseitige Nutzen eines funktionierenden Vorschlagswesens wurde sehr anschaulich von Peter Kleinmann, Qualitäts- und Ideenmanager der FAG Kugelfischer AG, Schweinfurt, aufgezeigt. Auf hohem Niveau wurde bei Kugelfischer zum zweiten Mal in Folge die Anzahl der eingereichten Vorschläge verdreifacht. Die Umsetzung der Vorschläge erbrachte ein Einsparvolumen von 17 Millionen DM.

   Wesentlich für diese Erfolge seien zum einen Rückendeckung und Unterstützung durch die Geschäftsleitung sowie klare Zielvorgaben, sagte Kleinmann. Des weiteren werde das Vorschlagswesen bei FAG Kugelfischer durch ein ausgeklügeltes Anreizsystem, das auch kleine Verbesserungen würdigt, sowie durch umfassende Kennzahlensysteme zur Schaffung von Transparenz gefördert. Wichtigste Barriere, die es zu nehmen gelte, sei, jeden Mitarbeiter zu motivieren, mindestens eine Idee im Jahr einzureichen. Die nächsten Schritte von einer Idee auf zwei oder mehr Ideen pro Jahr seien dann wesentlich einfacher.

   SIHK-Vizepräsident Dr.-Ing. Kaspar Vieregge wies darauf hin, dass einer Untersuchung der Kammer zufolge die meisten kleineren und mittelständischen Unternehmen erhebliche Schwierigkeiten haben, ein funktionierendes Vorschlagswesen dauerhaft am Leben zu halten. In Unternehmen mit bis zu 100 Mitarbeitern würden gerade mal sieben Prozent der Betriebe dieses Instrument installieren, das angesichts Globalisierung, verkürzter Innovationszyklen und steigender Qualitätsansprüche wesentlich zu Produktivitätssteigerungen und Kosteneinsparungen beitragen könnte.

   Als Ausweg aus diesen Schwierigkeiten wurde in den Beiträgen heimischer Unternehmer (difa Diemer & Fastenrath GmbH, Kaltwalzwerk Brockhaus GmbH, Kirchhoff Kutsch GmbH) die überbetriebliche Kooperation im Bereich des Vorschlagswesens vorgestellt. Diese Unternehmen arbeiten erfolgreich im Rahmen eines vom Wirtschaftsministerium Düsseldorf - das auch die Schirmherrschaft für die Veranstaltung übernommen hatte - geförderten Projekts der Verbundinitiative Automobil VIA NRW zusammen. Sie machten klar: Gemeinsam lässt sich auch von kleineren Unternehmen schaffen, was im Alleingang erheblich aufwendiger wäre.

   Die bereits erzielten Ergebnisse geben diesem Ansatz recht: bereits im ersten Projektjahr war erkennbar, dass das gesteckte Ziel von einem Vorschlag pro Mitarbeiter und Jahr in allen Verbundunternehmen erreicht wird. Für das Jahr 2000 werden Einsparungen in Höhe von 1.500 DM pro Mitarbeiter erwartet. Dr. Springorum (Kaltwalzwerk Brockhaus, Plettenberg) wies darauf hin, dass die Einsparungen nicht der einzige Nutzen des Vorschlagswesens seien: "Mindestens ebenso wichtig ist uns der angenehme ‚Nebeneffekt', dass sich Kommunikation und Mitarbeiteridentifikation deutlich verbessert haben."   

   Das erforderliche Umdenken in den Köpfen, so Herr Möller (difa Diemer & Fastenrath, Lüdenscheid) - werde durch den betriebsübergreifenden Erfahrungsaustausch und dem damit verbundenen "Blick über den Tellerrand" wesentlich erleichtert. Damit keiner "das Rad neu erfinden muss", tauschten die Verbundpartner ihre Vorschläge über einen gemeinsamen Ideenpool aus. "Für uns sind derartige Kooperationen ein wichtiges Instrument, um auf den zunehmenden Wettbewerbsdruck zu antworten" berichtete Herr Haase (Kirchhoff Kutsch, Attendorn) und verwies auf den "Verbund innovativer Automobilzulieferer", der von Kirchhoff Kutsch gemeinsam mit anderen Unternehmen gegründet wurden.

   In seiner Zusammenfassung gab der Projektkoordinator Dr. Neckel (Scientific Consulting GmbH, Köln) seiner Hoffnung Ausdruck, dass das vorgestellte Beispiel Schule machen möge und weitere Unternehmen von den positiven Erfahrungen des Verbunds profitieren könnten. Referatsleiter Claus Vogt vom Wirtschaftsministerium NRW und SIHK-Geschäftsführer Dr. Wolfgang Willmann erklärten, dass sie derartige Aktivitäten begrüßen und unterstützen werden.