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Fortschritt im Verbund:
Brockhaus Soehne, Plettenberg
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KOOPERATION IM WETTBEWERB
Räder immer wieder neu erfinden
Das Problem ist so alt wie die Einsicht, es
allein nicht lösen zu können: Manche Ideen findet man
nur im Dialog. Manche Aufgaben lassen sich nur mit vereinten Kräften
bewältigen. In der Automobilbranche gehen mehrere Mittelständische
Zulieferer seit geraumer Zeit zu solchem Zweck zusammen.
Was haben betriebsübergreifende Kooperationen
und Innovation miteinander zu tun? Bei der Attendorner Kirchhoff-Gruppe,
die sich bereits in vierter Generation in Familienbesitz befindet,
sehr viel.
Die Unternehmen der Kirchhoff-Gruppe nutzen
seit Jahren die positiven Synergieeffekte von Verbundprojekten,
um das Ideen- und Kreativitätspotential von Mitarbeitern
für zukunftsweisende Problemlösungen und Produktivitätssteigerungen
sowie für Kosteneinsparungen zu erschließen.
Der Automobilzulieferer Kirchhoff-Kutsch schloss
sich schon 1995 einem vom „Verbund Innovativer Automobilzulieferer“
(VIA) NRW geförderten Projekt zur „Einführung
von KVP in mittelständischen Unternehmen“ an. Ausgangspunkt
war ein IHK-Stammtisch zum Thema „Wege aus der Krise der
Automobilzuliefererindustrie“, an dem ca. 70 Unternehmen
des IHK-Bezirks teilnahmen. Elf Unternehmen wirkten daraufhin
am Verbundprojekt mit. Die Kooperation verlief so erfolgreich,
dass die Verbundunternehmen beschlossen, ihre Zusammenarbeit noch
weiter auszudehnen.
Als gemeinsames Problem erkannten die Projektpartner
beispielsweise den Bedarf an bestimmten Oberflächenbehandlungen.
Bei keinem hätte sich jedoch der Aufbau eigener Anlagen gelohnt.
Was lag also näher, als zu diesem Zweck ein Gemeinschaftsunternehmen
zu gründen? So entstand 1996 die VIA Oberflächentechnik
GmbH in Lennestadt-Elspe. Aus dem einstigen Pilotbetrieb sind
heute sieben Gemeinschaftsunternehmen geworden.
Nach der erfolgreichen Einführung des
„Kontinuierlichen Verbesserungsprozesses (KVP)“ erkannte
die Unternehmensleitung, dass weitere Rationalisierungspotentiale
am besten durch Aktivierung des Betrieblichen Vorschlagswesens
mobilisierbar sind. Geschäftsführer Andreas Haase erinnert
sich: „Mit KVP hatten wir strukturierte Gruppenaktivitäten.
Aber das Vorschlagswesen, als System zu Erfassung spontaner Ideen
einzelner Mitarbeiter, führte ein Schattendasein. Es kamen
nur wenige Vorschläge, und wenn welche kamen, dann verschwanden
sie oft in irgendwelchen Schubladen.“
Zusammen mit dem Kaltwalzwerk Brockhaus in
Plettenberg und der Firma difa Diemer & Fastenrath in Lüdenscheid
begann Kirchhoff-Kutsch Ende 1998 mit dem Aufbau eines betriebsübergreifenden
Vorschlagswesens. Auch die Partner hatten auf dem Papier alle
ein eigenes Vorschlagswesen, das jedoch immer wieder eingeschlafen
bzw. nicht aus den Startlöchern gekommen war. Der schwierigste
Schritt bestand darin, die Mitarbeiter zu überzeugen, dass
sich diesmal tatsächlich und auch nachhaltig etwas ändern
würde.

Bereits nach einem Jahr war erkennbar, dass
das Erfolgsrezept „Zusammenarbeit im Ideenmanagement“
erneut aufgehen würde. Am Ende des zweijährigen Projektes
war die Zahl der Vorschläge bei Kirchhoff-Kutsch von um die
70 pro Jahr auf über 500 im Jahr 2000 gestiegen. Die eigentliche
Leistung bestand jedoch darin, dieses Niveau in den Folgejahren
zu halten.
Der dauerhafte Erfolg beruhte darauf, dass
KVP und Vorschlagswesen in die Unternehmenskultur integriert wurden,
nachdem der Ansatz zur Chefsache erklärt worden war und die
Zusammenarbeit im Verbund konsequent fortgesetzt wurde.
Bei alledem ist eine hohe Zahl von Vorschlägen
kein Selbstzweck. Wichtig ist der Nutzen für das Unternehmen
durch Einsparungen und Produktivitätsverbesserungen. Trotz
intensiver Information und Schulung von Mitarbeitern und Führungskräften
hatte sich der Aufwand bereits nach dem ersten Jahr rentiert.
Die mittlere Einsparung der letzten Jahre beträgt über
225.000 Euro – pro Jahr!
Auch bei den Verbundpartnern wurden die gesetzten
Ziele erreicht, zum Teil sogar deutlich übertroffen. Im Kaltwalzwerk
Brockhaus stieg die Anzahl der Vorschläge regelmäßig
auf über 700 pro Jahr, das Unternehmen profitierte seit Einstieg
in das Verbundprojekt mit über einer halben Mio. EUR pro
Jahr.
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Kirchhoff-Kutsch - Presse (1.600
to.)
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Dr. Frank Springorum, Geschäftsführer
des neuerdings zu C.D. Wälzholz gehörenden Unternehmens,
weist darauf hin, dass Einsparungen nicht der einzige Nutzen des
Vorschlagswesens sind: „Mindestens ebenso wichtig ist uns
der ‚Nebeneffekt‘, dass sich Kommunikation und Mitarbeiteridentifikation
sehr verbessert haben.“
Ulrich Möller, Chef bei difa Diemer &
Fastenrath, hebt den Nutzen des Verbunds „für das Umdenken
in den Köpfen“ hervor.
Diese Erfolge steckten an: Anfang 2001 schlossen
sich dem Dreierverbund fünf weitere Unternehmen an. Im Sinne
eines guten mit- und voneinander Lernens griffen die Brockhaus
Soehne GmbH (Plettenberg), die GAH Alberts GmbH & Co. KG (Herscheid),
die Friedr. Lohmann GmbH (Witten), die HMT GmbH & Co. KG (Attendorn)
und die Lenzkämper GmbH & Co. KG (Lüdenscheid) die
erprobten Konzepte auf. Anfang 2003 begann abermals eine Gruppe
von Unternehmen nach bewährtem Vorbild mit enger Zusammenarbeit
im Ideenmanagement.
Die Vorteile des kooperativen Ansatzes sehen
so aus:
- Der Erfahrungsaustausch bietet Vergleichs- und Orientierungsmöglichkeiten,
und wirkt als Ansporn. Das Rad muß nicht von jedem neu erfunden
werden.
- Betriebsübergreifende Trainings sind wesentlich effizienter
– pro Unternehmen „fehlen“ in einer Schicht
weniger Mitarbeiter, trotzdem kommt eine lohnende Teilnehmerzahl
für eine Schulung zustande.
- Durch den „Blick über den Tellerrand“ ergänzen
sich die verschiedenen Sichtweisen und befruchten sich wechselseitig.
Von dem soliden Erfahrungshintergrund können
auch andere Unternehmen profitieren. Die Erfolgsrezepte stehen
zur Verfügung. Betriebe, die wie geschildert zusammenarbeiten
wollen, haben die Gewähr, dass der kooperative Ansatz funktioniert.
In einer aktuellen Befragung der IHK Arnsberg,
Hagen und Siegen bekundeten immerhin über 80% der antwortenden
Unternehmer Interesse an einer überbetrieblichen Zusammenarbeit.
An festen Kooperationen war insbesondere den Betrieben gelegen,
die bereits über ein Vorschlagswesen verfügen.
Für Arndt G. Kirchhoff, Geschäftsführer
der Kirchhoff-Gruppe und Vorsitzender der Mittelstandsvereinigung
im VdA, sind solche Kooperationen Teil der Unternehmensstrategie.
„Für uns ist die Zusammenarbeit mit kompetenten Partnern
ein wichtiges Instrument, um auf den zunehmenden Wettbewerbsdruck
zu antworten“.
Für Kirchhoff-Kutsch hat sich diese Strategie
gelohnt: Das Unternehmen ist seit 1997 von 400 Mitarbeitern auf
über 600 Mitarbeiter gewachsen. Dabei versteht sich von selbst,
dass diese Verbund-Prinzipien nicht nur mit externen Partnern,
sondern auch in der Kirchhoff-Gruppe angewandt werden. Demnächst
wird ein betriebsübergreifendes Dach für das Vorschlagswesen
bei Kirchhoff-Kutsch in Attendorn und Kirchhoff-Witte in Iserlohn
gebildet.
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